“Wie heißt du?”, fragte der Mann. Als Jakob seinen Namen nannte, sagte der Mann: “Von jetzt an sollst du nicht mehr Jakob heißen. Du hast schon mit Gott und mit Menschen gekämpft und immer gesiegt. Darum heißt du von jetzt an Israel.”
Genesis 32:27-28
Selten habe ich so viel auf so wenig Raum gesehen! Israel ist das wohl dichtest bepackteste Land an Kultur und Natur das ich bisher betreten habe. Vor allem aber das gesellschaftliche Durcheinander macht das Land erst wirklich spannend: Nicht einmal die Juden sind eine einheitliche Volksgruppe. Hier die Russen, da die Spanier, dort die Rumänen, Araber, Briten, Franzosen, US Amerikaner, Deutsche… die Liste hat kein Ende. Und dann wäre da noch die Spanne vom orthodoxen Juden bis hin zum patriotischen Israeli.
Wenn man es nicht besser wissen würde könnte man meinen in einem Irrenhaus der Größe Hessens gelandet zu sein. Ein Teil der Bevölkerung läuft bei beißender Hitze in einem schwarzen Anzug mit schwarzem Hut auf der Straße herum und betet gegen Wände, der nächste mit M16 Gewehren und einem extra Magazin Patronen. Vor jedem größeren Gebäude oder Gelände ist ein Metalldetektor befestigt und freundliches Personal, das genauso gut hätte am Flughafen arbeiten können. Mal fährt man durch einen Ort der akribisch genau geplant wurde und in dem alle Häuser einheitlich aussehen, dann fährt man durch eine Arabersiedlung die aussieht, als ob jemand statt dessen gewürfelt hätte. Das Epizentrum des Sicherheitstrakts ist aber die Altstadt, an einer Kreuzung zwischen dem muslimischen, dem armenischen, christlichen und zu guter Letzt jüdischen Viertel: Hier stehe ich nun, in den Straßen Jerusalems, an denen der Heiland einmal den Frieden Gottes predigte.
Auf meinem Weg durch die Wartehalle des Ben Gurion Flughafens in Tel Aviv laufe ich an einer Miniversion der Klagemauer vorbei. Hier können sich die Auserwählten das Gesetz an ihre Stirn und rechte Hand binden, um noch einmal vor dem Flug zu beten. Am Stand sitzt ein dickerer, kleiner Mann mit dem so typisch orthodoxen Outfit: Rauschebart, schwarzer Hut, schwarzer Anzug, Bändel schauen an der Hose heraus. Als ich vorbei laufe ruft er mir entgegen:
Hey, bist du Jude?
Nein, antworte ich.
Eh, heute nicht, aber vielleicht morgen!
Auf Zion steht eine Leiter in den Himmel, und heute bin ich eine Stufe höher gestiegen.
